Züchten die Ragdolls genetisch rein?

Die Daytons

Die Daytons waren, abgesehen von Mrs. Baker, die ersten Ragdoll Züchter. Sie waren außerordentlich sorgfältig im Umgang mit ihrer Katzenzucht aber sie waren keine ausgebildeten Genetiker, und so waren sie nicht in der Lage, ihre Aussagen, dass die Katzen genetisch rein züchten, mit harten wissenschaftlichen Fakten zu untermauern. Zu diesem Zweck überließen sie alle ihre Aufzeichnungen Dr. Pflueger mit der Bitte, sie möge ihr Bestes tun, um die Auseinandersetzung darüber, ob die Ragdolls rein züchten oder nicht zu schlichten. Was dabei herauskam, war eine Folge von Schriftsätzen und Untersuchungsberichten, die ihren Höhepunkt in einem Achtstunden-Seminar fanden, das von Dr. Pflueger im Haus der Daytons abgehalten und von fast jedem aktiven Ragdoll-Züchter besucht wurde.
Unter dem, was Dr. Pflueger herausgefunden hatte, war folgendes, Die Ragdolls kommen in vier Grundfarben vor - seal, chocolate, blue und frost (liIac). Damit verbunden können drei mögliche Arten weißer Abzeichen entstehen - keine Abzeichen (pointed), etwa halbweiß/halbfarbig (bi-colour) und mitted, wobei die weiße Farbe sich hauptsächlich auf die Füße beschränkt. Alles in allem sind auf diese Weise zwölf Farb-/Muster-Kombinationen möglich. Weiterhin stellte Dr. Pflueger fest welche Charakteristika dominant und welche rezessiv sind, und welche sich heterozygot verhalten. Sie übertrug ihre Ergebnisse in eine Karte, mit der es möglich ist genau alle Farb- und Muster-Kombinationen vorherzusagen, die aus einer beliebigen Paarung entstehen können. Da Farb- und Mustergene unabhängig voneinander arbeiten, sind einige der Schätzungen recht gewagt aber die Tatsache, dass das, was herauskommt vorhersehbar ist widerlegt die Behauptung, sie züchteten nicht genetisch rein.
Mrs. Rowley wird jedoch noch etwas anderes im Sinn gehabt haben, als sie die Anklage untermauerte. So sagt sie:
„Deren Argumente, dass die Katzen rein züchten, sagen nur aus, dass sie mitted, colourpoint und/oder bi-colour als Ergebnis einer bestimmten Kreuzung bekommen. Ich bin nicht der Meinung, dass das reines Zuchten bedeutet. Wenn man zwei Colourpoint-Katzen miteinander verpaart und der gesamte Wurf ist Colourpoint, das ist reines Zuchten. Wenn das Kreuzen von Bi-colour mit Bi-colour nur Bi-colour-Katzen hervorbringt, das ist in Ordnung, Aber Mitted mit Mitted bringt Birma hervor! Oder sollte es zumindest, wenn die Katzen rein züchten!“

Tatsächlich ist der einzige Weg, einen Wurf zu erhalten, der nur aus mitted Ragdolls besteht indem man eine Colourpoint (homozygot rezessiv) mit einer Bi-colour (homozygot dominant) kreuzt da eine mitted Ragdoll im Ergebnis eine heterozygote Version der weißen Musterung darstellt. Der Punkt auf den die ganze Auseinandersetzung hinausläuft scheint zu sein, dass sich die Birma-Züchter durch die äußere Erscheinungsform der Ragdoll angegriffen fühlen.

 

Mrs. Rowley sagt:
„Es ist im Grunde genommen eine Birma-Imitation. Ganz besonders die Mitted-Katze ist es, die die Birma-Züchter so besonders stört, Wenn die Ragdoll-Leute in der Lage wären, die Rasse auf Colourpoint und Bicolour zu stabilisieren, könnten die Birma-Leute glücklich weiterleben. Wir finden, dass wir unsere Katze haben, so daß es unnötig ist, etwas hervorzubringen, was ihr so ähnlich ist.“

Dr. Pflueger hingegen führt aus:
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Birma-Züchter gar nicht wissen, um was es ihnen da eigentlich geht. Es ist interessant festzustellen, dass etliche Jahre zuvor, als versucht wurde, die Birma anerkennen zu lassen, die Himalaya-Züchter (perserColourpoint) nicht wollten, dass die Birma anerkannt würde. Sie sagten damals, die Birma sei im Grunde die gleiche Katze, nur mit weißen Füßen. Es gäbe keinen wesentlichen Unterschied zwischen einer Himalaya und einer Birma. Tatsächlich gibt es jedoch große Unterschiede zwischen einer Birma und einer Ragdoll“, führt Dr. Pflueger weiter aus, „der Körperbau ist sehr verschieden, und ich würde sagen, dass sie - was die Struktur des Knochenbaus angeht - nicht allzu viel Ähnlichkeit miteinander haben. Sie haben aber die Farbkombinationen gemeinsam.“
Dass man gemeinsame Eigenschaften hat sollte kein besonderer Punkt der Beachtung sein, und Dr. Pflueger führt weiter aus: „Es gibt noch andere Rassen, die Farbkombinationen miteinander gemeinsam haben, Wir haben einige Rassen, die nur blau sind, und man kann sich dieselbe Frage stellen - ob sie rein züchten - über die Korat-Katze und die Russisch- Blau-Katze. Es gibt eine Menge Unterschiede zwischen diesen beiden Rassen, und eine gute Korat und eine gute Russisch Blau sollten sich nun wirklich nicht ähnlich sehen. Aber ich habe Exemplare beider Rassen gesehen, wo ich mich bei der Beurteilung umdrehen und in meinem Preisrichterbuch nachsehen musste, welche von beiden welche ist. Augenscheinlich war sie, gleich welcher Rasse sie angehörte, keine gute Repräsentantin derselben.

Was schließt Dr. Pflueger letztlich daraus?
„Ich finde wirklich, dass die ganze Episode ziemlich unglücklich verläuft, besonders, da die Ragdoll im Grunde eine schöne Katze ist. Einiges an ihr ist sehr anziehend. Es sind große Katzen, sie haben dichtes Fell, was eine Menge Leute mögen, und es gibt sie in einigen interessanten Farben. Die Sache ist die, dass der Ursprung der Rasse nicht das Geringste zu bedeuten hat, wenn man sich direkt mit ihr befasst. Es ist unwesentlich, denn das, was man jetzt hat, ist eine neue Rasse; die Ragdolls, die wir
jetzt zu Gesicht bekommen, sehen einander im Grunde sehr ähnlich in Bezug auf ihre allgemeine Erscheinung. Eine Rasse sollte als eine Gruppe von Tieren definiert sein, welche sich von einer anderen Gattung aufgrund bestimmter Charakteristika deutlich unterscheiden. Sie müssen also etliches miteinander gemeinsam haben - und das mit der notwendigen Beständigkeit - dass man sagen kann, dass sie sich als Gruppe von anderen Katzen unterscheiden.“

Aus dem Buch „Die Ragdoll“ (eine ganz normale Katze) von Karin Hughes-Dentler

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