Eine jener Personen, die man ständig mitten in den Auseinandersetzungen um die Ragdoll findet ist die Schöpferin dieser Rasse, Mrs. Ann Baker. Es war etwa Mitte der sechziger Jahre in Riverside, Kalifornien, als Mrs. Baker eine, von ihr als weiße Angora bezeichnete, Katze namens Josephine mit einem Kater, vermutlich ein Birma kreuzte und ein Wurf Kätzchen geboren wurde, unter denen ein Kater namens "Daddy Warbucks" und eine Kätzin namens "Buckwheat" waren.
Mrs. Baker zufolge war Daddy Warbucks der Urvater der äußeren Ragdoll-Erscheinung. Beide, Daddy Warbucks und Buckwheat. besaßen gewisse andere Charakteristiken, sagt Mrs. Baker, und das ist der Punkt an dem die Auseinandersetzungen beginnen.
So wie Mrs. Baker die Geschichte schildert, lief Josephine eines Tages auf die Straße und wurde von einem Auto angefahren. Der Unfall kostete sie einen Teil ihres Gehirns. Obwohl niemand glaubte, die Katze würde weiterleben, überlebte sie. Aber danach zeigte sie einen außerordentlich sanften Charakter und eine offensichtliche Unempfindlichkeit gegen Schmerz. Nach Aussage von Mrs. Baker vererbte Josephine, als sie tragend wurde, diese Eigenschaften an ihre Kätzchen. Mit anderen Worten, Mrs. Baker behauptet, dass erworbene Charakteristika ein bleibender Teil in der vererb baren Genetik dieser Katzen wurden.

Daddy Warbucks
Indem sie diese Behauptung aufstellt, folgt Mrs. Baker den Spuren des berühmten französischen Biologen Jean-Baptiste de Lamarck, der Anfang des neunzehnten Jahrhunderts darauf bestand, dass Giraffenbabies lange Hälse hätten, weil ihre Eltern, Großeltern usw. vor langer Zeit ihren Hals zu recken hatten, um die Blätter der großen Bäume zu erreichen. Da es jeder Generation gelang, sich ein wenig höher zu strecken, würden sie diese Errungenschaft an ihre Kinder weitergeben, so dass die Kinder sich nicht so anstrengen müssten.
Lamarcks Theorie wurde jedoch wohl fundiert umgestoßen, als Charles Darwin 1859 seine Theorie der Evolution durch natürliche Auslese vorstellte.

Josephine
Die Debatte um die Ragdoll wäre bis jetzt recht ruhig verlaufen, hätte Mrs. Baker weniger nachdrücklich auf ihrer Vorstellung dieses besonderen Aspektes der Ragdoll-Biologie beharrt. Sie veröffentlicht und vertreibt eine Menge Literatur an nahezu jeden, der maßgeblich in der Katzenwelt etwas zu sagen hat, und in ihren Schriftsätzen stellt sie eine Zahl von Behauptungen und Feststellungen auf, welche im Lauf der Jahre etliche Leute erregt und erzürnt hat
Einer dieser Leute ist Mr. Don K. Shaw, der einen Doktortitel in Genetik hält und Preisrichter und Ausbilder für alle Rassen in der AC FA ist Mr. Shaw sagt: >Ich unterstütze nicht den angenommenen genetischen Hintergrund, den die Ragdolls nach Aussage von Mrs. Baker haben. Man kann nicht Mäusen den Schwanz abschneiden, um damit zu erreichen, dass sie nach zehn Generationen anfangen, schwanzlose Mäuse zu produzieren. Man kann einer Katze nicht das Hirn herausnehmen, und sie bekommt dann Junge, die sich neurologisch anders verhalten als normale Kätzchen.
Mr. Shaws Ärger wird durch Aussagen wie die folgenden noch vergrößert welche in Mrs. Bakers kleinem Buch CIRCA und die Dokumentation der Ragdoll) erscheinen: „An Ragdolls sind unter anderem folgende Tests vorgenommen worden: Chromosomenuntersuchung, Röntgenaufnahmen von Schädel und Wirbelsäule und völlige Autopsie, EEG, EKG und EMG. Kein abnormales Verhalten konnte festgestellt werden auch nicht geringer als normal gespannte Muskeln aufgrund geringerer muskelelektrischer Impulse. Keine Anomalien im zentralen Nervensystem. Dieses sind einige der Untersuchungen die an den Ragdolls durchgeführt wurden um sie als solche auszuweisen und eine Freigabe von der Regierung zu erhalten. Sie sind wie keine andere Katze dieser Welt.“
Solche Aussagen leugnen vollständig Mrs. Bakers Schlüsse. Anfang Dezember 1972 schickte Mrs. Baker eine männliche und eine weibliche Ragdoll an das Labor der Standford Universität welches von Dr. Merrill M. Mitler geleitet wird. Während ihres Aufenthaltes in den Laboratorien wurden die Katzen all den Tests unterzogen, die Mrs. Baker in ihrem kleinen Buch aufgeführt hat. Die Resultate der Untersuchungen untermauerten, daß Ragdolls sich in ihren Grundwesenszügen in keiner Weise von anderen Katzen unterscheiden. Tatsächlich besagt der letzte Absatz von Dr. Mitlers Brief an Mrs. Baker (der allerdings nicht in ihrem Schriftwerk erscheint): „Zu meinem Bedauern konnten wir keine physiologischen Bestätigungen für die Verhaltenscharakteristika, die der Ragdoll-Rasse nachgesagt werden finden.“
Eine andere Person, die sich anfänglich von Mrs. Bakers Behauptungen abgestoßen fühlte, war Dr. Solveig M. V. Pflueger aus San Antonio, Texas. Dr. Pfluegers eindrucksvolle Fähigkeiten belegen ihre Anerkennung als Preisrichterin, zwei Doktortitel - einer in Linguistik und einer in Ernährungswissenschaften und Genetik - und ihren derzeitigen Status als Medizinstudentin im dritten Semester.
Dr. Pflueger zieht eine andere Aussage von Mrs. Baker in Zweifel: „Es wurde behauptet, dass Ragdolls eine außergewöhnlich hohe Schmerztoleranzgrenze haben, dass sie Verletzungen nicht bemerken würden. Diese Anomalität triff manchmal bei Menschen in Erscheinung, aber es ist eine ausgesprochen unerwünschte Eigenschaft. Eine Katze, die sich verbrennen oder schneiden könnte, ohne es zu bemerken, wäre von Nachteil und nicht von Vorteil.“
Aus dem Buch „Die Ragdoll“ (eine ganz normale Katze) von » Karin Hughes-Dentler





