Einige Details über die Ragdolls
(von Hannelore Büchner)
Über die Ragdolls wurde seit ihrer Entstehung in den 60er Jahren eine Menge erstaunliche Dinge verbreitet. Den Anfang hierzu machte die >Erfinderin< der Rasse. Ann Baker. Zweifellos verdanken wir ihr und einer glücklichen Laune der Natur diese liebenswerten Katzen. Sie war es, die eine weiße Angorakatze namens Josephine zur Stammmutter der Ragdoll-Zucht machte.
Nach einem schweren Autounfall gebar diese Katze auffallend große, extrem anhängliche Kätzchen mit seidenweichem Fell. die zudem auch noch durch besondere Sanftmut auffielen. Frau Baker witterte ein einträgliches Geschäft und begann, allerlei Legenden zu erfinden - zweifellos, um das Geschäft in Gang zu bringen. Sie verpaarte Josephine mit einem Sealpoint Kater (vermutlich Birma) und baute eine strenge Linienzucht auf. Zugleich ließ sie sich ihre Katzen patentieren, was bisher einmalig in der Geschichte der Tierzucht sein dürfte und einen deutlichen Hinweis auf Ann Bakers ausgeprägten Geschäftssinn gibt.
Mit dem Patent allein war es jedoch nicht getan, obwohl das natürlich den Preis schon recht weit nach oben trieb. Sie sagte - übrigens sehr zum Nachteil der Tiere - ihnen absolute Schmerzunempfindlichkeit nach und behauptete ernsthaft, diese Veränderung im Erbgut der Josephine sei durch den vorhergegangenen Autounfall verursacht worden. Ersteres ist einfach gelogen. das Zweite genetischer Schwachsinn. Aber es brachte die Katzen ins Gespräch.
Es ist nicht bekannt ob Josephine vor dem Unfall bereits normale Katzenkinder geboren hatte. Auf alle Fälle kann man Mutationen nicht durch äußere Gewaltanwendung wie einen Autounfall einfach herbeiführen. Das heißt, dass auch ohne die vorangegangenen Verletzungen dieselbe Erbgut Veränderung stattgefunden hätte.
Den Namen (Ragdoll = Lumpenpuppe) suchte Ann Baker aus, um auf die typische Schlaffheit der Katzen aufmerksam zu machen. Tatsächlich lassen sich Ragdolls (wenn sie Lust haben) wie ein nasses Handtuch über dem Arm tragen, sie hängen sich völlig entspannt aus. Allerdings trifft dies nicht auf alle Ragdolls zu, und sie können eben auch anders. Es wäre auf jeden Fall falsch, eine Ragdoll als nicht rassetypisch zu betrachten, nur weil sie sich beim Hochnehmen steif macht. Im Grunde ist sie nämlich auch nur eine Katze.
Dass verschiedene Katzenrassen unterschiedliche Eigenschaften haben, ist bekannt und meist auch der Grund dafür, dass Menschen sich für eine bestimmte Rasse und nicht für eine Hauskatze entscheiden, die in der Entwicklung immer für eine Überraschung gut ist. Natürlich spielen auch Aussehen und Haltungsbedingungen eine nicht unwesentliche Rolle. Deshalb ist es auch sehr wichtig, sich vor der Anschaffung einer Katze gen au über deren Eigenheiten und Anforderungen zu informieren und abzuwägen, ob man dem wirklich gerecht werden kann.
Die Ragdoll ist eine Katze, die äußerst ungern allein ist sie braucht den engen Kontakt zu ihrem Menschen unbedingt ist ersatzweise auch mit einem Artgenossen oder eventuell mit einem Hund zufrieden, aber bei Einzelhaltung sollte man sie wirklich nicht lange alleinlassen. Eine Ragdoll ist an allem interessiert, was um sie herum vorgeht. Alle Katzen sind neugierig, aber die Ragdoll ist interessiert. Sie begnügt sich nicht damit etwas zu beschnuppern, sie will es erfahren. Versuchen Sie einmal, ein Päckchen zu packen, wenn eine Ragdoll im Raum ist. Sie müssen ständig auf der Hut sein, daß Sie nicht aus Versehen ein Pfötchen mit verschnüren, denn Ihre Ragdoll hilft Ihnen dabei nach Kräften... Auch müssen Sie sich daran gewöhnen, dass Sie ständig verfolgt werden, immer will die Ragdoll wissen, was Sie gerade vorhaben. Sie wird Sie beispielsweise höchst ungern zur Toilette gehen lassen, besser, sie darf mit!
Wir leben seit über zwanzig Jahren mit Katzen, darunter waren Hauskatzen, Siam- und Persermischlinge. Jede hatte ihren ganz persönlichen Charme, alle waren liebenswert aber keine mit den Ragdolls vergleichbar.
Mit einer Ragdoll müssen Sie wirklich Ihr Leben teilen, sie ist keine Katze, die mal eben so nebenher gehalten werden kann. Und ganz bestimmt ist sie kein Statussymbol! Sie braucht Ihre Zuwendung und Liebe, sonst würde sie seelisch verkümmern.
Die absolute Furchtlosigkeit die der Rasse immer wieder angedichtet wird ist wieder unter der Rubrik >dummes Zeug< abzulegen. Auch die Ragdoll kennt durchaus Furcht aber ihre übergroße Neugier lässt sie schneller mal die Furcht vergessen. Es stimmt zwar. dass die meisten Ragdolls von Haus aus nicht ängstlich sind aber ein auf sie zustürmender Hund ruft auch bei ihr völlig normale Instinkthandlungen hervor, erstens Flucht zweitens Abwehr. Auch eine Ragdoll kann kratzen und beißen! Unsere Katzen leben mit unserem Schäferhund in schönster Harmonie zusammen, sie spielen sogar miteinander, trotzdem sind sie vor Nachbars Rottweiler auf der Hut. Sie lernen genau wie jede andere Katze aus ihren Erfahrungen. Dabei kann man Einfluss nehmen, um ein bestimmtes Verhalten zu erreichen. Beispielsweise hat ein Nachbar von uns unsere Ragdoll mit einem Eimer Wasser auf seiner Terrasse empfangen. Zuerst waren wir sehr erbost darüber, aber später zeigte sich, dass er uns damit einen Bärendienst erwiesen hat. Zwar mied unsere Bibi nicht seine Terrasse, wohl aber fremde Menschen außerhalb unserer vier Wände! Sowie sich ein Fremder ihr nähert, ergreift sie die Flucht und läuft nach Hause. Und nicht nur das, sie gibt diese Erfahrung auch an jüngere Katzen weiter.
Die meisten Ragdolls sind sehr verträglich, lassen sich problemlos in einen vielleicht schon vorhandenen Katzenbestand eingliedern. Ihr Sozialverhalten ist von Haus aus vorbildlich, und sie haben auch trotz aller Unkenrufe - ihre kätzischen Instinkte bewahrt. Da sie sehr verspielt sind schließen sie sich besonders gern Kindern an. Doch achten Sie bei Kleinkindern bitte darauf, dass dem Tier nicht wehgetan wird denn, wie schon erwähnt auch Ragdolls wehren sich, wenn sie sich bedroht fühlen.
Zusammenfassend könnte man das Wesen der Ragdoll so beschreiben: Da sie ursprünglich in Kalifornien beheimatet sind, sind sie echte >Kinder der Sonne<, stets gut gelaunt und immer zu Streichen aufgelegt. In manchen Büchern wurden sie fälschlicherweise als träge und langweilig beschrieben. Das Gegenteil trifft zu, Ragdolls sind recht temperamentvolle Katzen. Bei liebevoller Aufzucht und Haltung fehlt es ihnen allerdings an der bei Katzen häufig anzutreffenden Nervosität - was bestimmt kein Nachteil ist.
Sie sind sehr gut ausschließlich in der Wohnung zu halten. wer kann, sollte ihnen jedoch Freilauf ermöglichen, sie sind ausgesprochen dankbar dafür. Hierbei ist allerdings dringend dazu zu raten, dafür Sorge zu tragen, dass sich kein >Liebhaber< findet der das Tier einfach mitnehmen könnte.
Hinsichtlich der Fellpflege macht die Ragdoll (auch wenn sie Freilauf genießt) keine Mühe, sie pflegt sich größtenteils selbst. Zwar mögen es die meisten Ragdolls ausgesprochen gern, gekämmt oder gebürstet zu werden, aber wirklich erforderlich ist es nur hin und wieder bei besonders langhaarigen Tieren.
Die körperliche Entwicklung der Ragdolls ist erst mit etwa vier Jahren abgeschlossen, die endgültige Ausfärbung wird mit ungefähr drei Jahren erreicht.
Die Point-Zeichnung der Ragdoll wird durch den so genannten >Himalaya-Albinismus< hervorgerufen. Diese Form finden wir bei allen Maskenkatzen und auch bei anderen Tieren. wie beispielsweise bei Kaninchen oder Mäusen. Allerdings haben die Maskenkatzen mehr Pigment als es bei Albinismus üblich ist. Daraus folgt dass die Augen blau anstatt rosa sind. Der Körper ist auch nicht reinweiß, sondern >sepia-schattiert<.
Ebenfalls typisch für diese Form des Albinismus ist die völlige Pigmentlosigkeit der Neugeborenen. Ragdoll-Babies werden weiß geboren. Innerhalb von acht bis vierzehn Tagen beginnen sich die Ohren und Nase dunkel zu färben, das heißt dass an diesen Stellen Pigmente gebildet werden. Später zeigen sich dann auch die Points an Schwanz und Beinen. Die Pigmentbildung bei den Ragdolls ist von der Umgebungstemperatur abhängig. Sie ist ausschlaggebend für die Färbung der Haarspitzen. In den Spitzen bildet sich Pigment weil die Temperatur dort niedriger ist als in unmittelbarer Körpernähe. Wenn man das Fell einer ausgefärbten Ragdoll bis auf den Haarboden scheitelt dann stellt man fest dass es am Körper wesentlich heller, eben fast weiß ist.
Es wäre jedoch falsch, zu denken, dass bei gleicher Temperatur alle Katzen den gleichen Farbton, sprich gleiche Farbintensität aufweisen müssten. Die Reaktion ist von Katze zu Katze unterschiedlich, einige reagieren stark auf Temperatur Veränderungen, andere kaum oder gar nicht. Im Allgemeinen ist es aber schon so, dass diejenigen Ragdolls, die bei niedrigen Temperaturen gehalten werden, dunklere Points aufweisen, als solche, die bei konstanter Raumtemperatur leben.
Aus dem Buch „Die Ragdoll“ (eine ganz normale Katze) von Karin Hughes-Dentler

